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Es begab sich, dass ich vor 3 Monaten die Entscheidung traf, das vorletzte Christian Willisohn - Konzert der B&W Nautilus-Tour 2005 aufzusuchen. Nicht, dass ich ihn so lange nicht gehört hätte, schließlich hatte ich schon 2 Konzerte der Tour besucht. Aber irgendwie kann man sich den Mann, wenn man ihn einmal ins Herz geschlossen hat, nicht leid hören. Und wie jeder Musikfreund weiß, ist jede CD oder sonstige Musikkonserve Kappes gegen einen Live-Auftritt. Das ist wohl nicht nur, aber insbesondere beim Blues so.

Was braucht man als Kontrast für einen Abend von musikalisch außerordentlicher Qualität um diese angemessen würdigen zu können? Richtig. Möglichst unansehnlich Menschen. Da fiel die Wahl nicht schwer und so bot ich frühzeitig Lucky und Vic an, die Karten für sie mitzubestellen. Da die beiden über große Mengen von schwerer Naturfaulheit verfügen, war diese Idee natürlich ein Volltreffer.

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Um mit den beiden bei evtl. auftretenden Gesichtskontrollen den Hauch einer Chance zu haben, wurden, zur Sicherheit, für Luckys entschieden bessere Hälfte und meine Frau Karten mitbestellt.

Der 22.09. rückte näher und brach an. Mit großer Vorfreude ausgestattet, sattelten wir Petit Luckys kleinen Cruiserchrysler, fixierten im Fadenkreuz des Navis die Zieladresse und dieselten gen Bonn. Völlig unbeeindruckt von diversen Versuchen der Passagiere, eine Konversation vom Zaun zu brechen, beschallte Lucky uns durchgängig und hartnäckig mit Frank-Muschalle Boogiegehämmern, um unsere Gehörorgane dem Anlass der Reise angemessen zu kallibrieren.

Ohne weitere erwähnenswerte Vorkommnisse erreichten wir die Harmonie in Bonn und waren in zweifacher Hinsicht angenehm beeindruckt. Zum einen, weil die Location (Scheiss-Neudeutsch, aber „Veranstaltungsort“ klingt ja wohl noch bräsiger) richtig Stil hat und zum anderen, weil der Künstler auch da war (man weiß ja nie, was heutzutage auf einer Anfahrt alles passieren kann).

Da es noch sehr früh war, konnten wir noch etwas mit Christian plaudern, der dabei das ein oder andere Kilkenny herunterspülte. Tja, wer eine Stimme haben möchte, die klingt wie 40er Schleifpapier in einem 200-Liter-Eichenfass, der muss was dafür tun. Von nix kommt nix wie mein Klavierlehrer immer zu sagen pflegte.

Was folgte, war ein Christian Willisohn der Extraklasse. Abwechselnd trieb der Künstler seinen Zuhörern die Tränen der Begeisterung und der Rührung in die Augen. willisohn_06Der kleine Mann, der aussieht wie der, der auf der Baustelle immer den Minibagger fährt, ist einfach ein Gigant an der Tastatur und am Mikrofon.

Egal, ob er die Mondscheinsonate covert, dich mit dem „Basin Street Blues“ oder „Tipitina“ mit nach New Orleans nimmt, oder eines seiner großen Stücke wie „Blues on the World“ vorträgt - die Musik geht vom Gehörgang direkt ins Herz. Jedes Mal beeindruckt seine unglaubliche Fähigkeit, sich durch die Musik auszudrücken in Verbindung mit einer Spielfreude und Virtuosität, die hart an der Grenze des polizeilich Erlaubten liegt.

Wer sich jetzt fragt, was ich für Drogen genommen habe, um eine solche Schwärmerei abzulassen, dem rufe ich in Anlehnung an meinen alten Freund Julius zu:

Veni, vidi, audi.

Es lohnt sich!


6/X/2005 Marcos  willisohn_marcos_06

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